Schön erfolgreich oder nur schön?

erfolgreich

Makellose italienische Schuhe, edler Designeranzug aus fließendem Stoff, Manschettenknöpfe mit Wappen versehen. Teure Uhr, feine Krawatte mit passendem Einstecktuch. Perfekt rasiert, Haare einwandfrei gestylt, Fingernägel manikürt.

Das Auftreten fast arrogant. Der Schritt  raumgreifend, hörbar, spürbar. Die Stimme klar, eher leise, mit akzent-freiem Hochdeutsch.

Die Schuhe sind staubig, abgestoßen, antiquiert. Der Anzug ist aus einfachem Stoff geschnitten, den eher alte Männer tragen. Er ist viel zu groß. Die Krawatte ist langweilig und sehr konservativ. Der junge Mann ist übereifrig und beflissen, zu helfen. Er drückt sich sehr blumig und umständlich gekünstelt aus. Gestik und Mimik passen irgendwie nicht zusammen.

 Ihr Rock ist lang und wallend, wenig modisch, aber schön sommerlich. Die Haare zu einem Zopf bis zur Hüfte geflochten. Ihre Sandalen sind selbst hergestellt und erinnern ein bisschen an Mittelalter. Es riecht nach Räucherstäbchen. Die Frau hat eine sehr lässige, entspannende Ausstrahlung. Sehr gepflegt, scheinbar ungeschminkt, straft sie alles Lügen, was man heute für ein Muss hält. Sie drückt sich sehr lässig und ruhig, völlig unaufgeregt, aus. Und wirkt auch so.

Weste und Hose glänzen übermäßig, so als seien sie zu heiß gebügelt worden. Die Weste spannt vor dem Bauch, die Knöpfe halten nur mit Mühe alles zusammen. Das weiße Hemd hat einen feinen schwarzen Rand am ausgeleierten Kragen und entlang der Manschetten. Die Schuhe wirken ungepflegt, mit zu viel Schuhcreme geputzt, die Lederporen sind eher verstopft. Ein Hauch von Schweiß umgibt ihn. Unter den Fingernägeln zeigen sich dunkle Ränder.

Roter Schal um den Hals geknotet, ein Cordsakko im Karamellton, gleichfarbige Chinohose, edle braune Budapester. Weißes Hemd mit kleinem spitzem Kragen, der kurz über den Schal blitzt. Der junge Mann springt regelrecht die Treppe hoch. Sein Outfit ist auffällig, individuell, modisch. Ganz anders und interessant zusammengestellt.

 Was ist Dir von den Szenen am stärksten in Erinnerung geblieben?

 Was hast Du beim Lesen der einzelnen Beschreibungen empfunden?

 Welche Eigenschaften hast Du spontan den Personen zugeordnet?

 Welche Aufgaben würdest Du diesen Personen als Arbeitgeber geben?

 Wen würdest Du als Chef überhaupt einstellen? Und warum?

Mit wem würdest Du als Kollege/Kollegin gerne zusammenarbeiten?

Am besten machst Du Dir ein paar Notizen dazu. Und frage Dich morgen, ob Deine Meinung immer noch unverändert ist. Ein wenig Abstand wirkt manchmal Wunder…

 

Das waren Menschen, die ich irgendwann einmal kennengelernt oder auch nur gesehen habe. Sie blieben mir mit ihrem Outfit in Erinnerung. Nicht immer nur positiv…

Warum ich mich gerade an sie erinnere? Das ist eine gute Frage, wo ich doch täglich Dutzende von Menschen treffe oder zumindest sehe.

Aber immer war es etwas, was mich in kürzester Zeit fesselte – oder eher nicht.

Und das ist eben auch wichtig für Deinen Job. Auch Du wirkst jeden Tag auf Dein Gegenüber.

Menschen, die Dich noch nicht kennen, werden ganz schnell einen Eindruck bekommen und Dich in irgendeine „Schublade“ packen. Menschen, die Dich kennen, werden sich weniger Mühe geben, Dich nochmals genau zu betrachten. So dass auch neue Kleidung, eine andere Frisur oder ein ganz neuer Stil erst gar nicht beachtet oder schnell als Laune abgetan werden.

Im Endeffekt ist Dein Auftreten, Dein Outfit, Deine Art und Weise wichtig in Deiner Beurteilung durch Dritte. Und das ist ein ganz wichtiger Baustein für Deinen Joberfolg. Und für Deine Zufriedenheit, die Du wiederum ausstrahlst. Und die Dich anziehend macht.

 

Lass uns mal ein paar Schritte zurückgehen…

Worin bestehen Funktion und Wirkung von Kleidung eigentlich?

Ursprünglich diente sie „nur“ dem Schutz des Körpers.

Später lag der Fokus neben dem Schutz auch auf dem Verhüllen dessen, was nicht jeder sehen sollte (oder wollte).

Und irgendwann begann man Kleidung bewusster zu schneidern.

Man hatte erkannt, was Kleidung auch ist, nämlich „Kommunikation“, Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, der Individualität, aber auch Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Personen.

Schnitt, Farbe, Stoffe, Textur – all das drückt etwas aus. Noch bevor die Person etwas sagt, hat sich ein Eindruck gebildet, denn:

 Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick)

Heute hat Dein Outfit also zwei wichtige Funktionen: Dich individuell darzustellen und gleichzeitig, Dich einer Gruppe von Menschen zugehörig zu zeigen, z.B. zu Bankern, Handwerkern, Joggern, etc.

Und ob bewusst oder unbewusst: Du entscheidest vor Deinem Kleiderschrank immer wieder, wie Du Dich Deinem Umfeld, z.B. Kollegen, Freunden, Nachbarn, Familie, präsentieren willst. Also, was Du ihnen gegenüber darstellen möchtest. Ob Du jugendlich wirken willst, seriös, kreativ, anspruchsvoll, nobel, würdevoll, unangepasst, rockig, mädchenhaft, männlich, vertrauenswürdig…

Deine Außenwirkung ist so vielseitig, wie die Möglichkeiten, Dich zu stylen.

 

Und was ist mit Deiner Innenwirkung?

Innenwirkung? Ja, Dein Outfit wirkt nicht nur auf Deine Umwelt, sondern mindestens genauso auf Dich selbst. Und Dein Gefühl wirkt dann zusammen mit Deiner Kleidung und den Accessoires als Gesamtbild auf Dein Gegenüber.

Mit Klamotten für das Fitnessstudio fühlst Du Dich noch vor dem Workout um einiges straffer und fitter.

Zieh Dir einen Anzug an und Du sagst sofort der Couch ade.

Trägst Du als Frau Dein schönstes Sommerkleid, wirst Du Dich gleich femininer und lebenslustiger fühlen.

Diese Wirkung auf Dich selbst kannst Du auch ganz bewusst einsetzen, um Dich aufzubauen, z.B. wenn Du einen Vortrag halten sollst, vor dem Du Angst hast. Oder vor einem Bewerbungsgespräch. Oder vor einem Termin mit einem verärgerten Kunden.

 

Was macht ein (Business-)Outfit aus, mit dem Du erfolgreich sein kannst?

TIPP 1: Bleib auch kleidungstechnisch bei Dir und fühle Dich wohl

Dein Gefühl in der jeweiligen Kleidung ist aus meiner Sicht das Wichtigste überhaupt.

Für welche Kleidung Du Dich heute auch entscheidest, Du musst Dich in ihr wohlfühlen. Das heißt nicht, dass Du im Job Deinen Wohlfühl-Kuschelpulli, Deine Schlabberhose oder Deine löchrige Alltagsjeans tragen solltest.

Auch Deine Jobkleidung sollte so beschaffen sein, dass sie gut passt, bequem ist und Dir nicht wie eine Verkleidung vorkommt. Und, dass Sie zu Deiner Branche und Deiner Aufgabe passt.

Nur, wenn Dir Farbe, Schnitt und Stoff gefallen oder zumindest nicht zuwider sind, ist es eine gute Basis. D.h. eine passende Handwerkerkluft, Krankenschwestertracht oder ein Schornsteinfeger-Outfit spiegeln wahrscheinlich nicht Deine bevorzugte Freizeitkleidung wieder, sind aber für Dich in Ordnung, wenn Dir der Job Spaß macht.

Auch bei offen oder indirekt kommunizierten Kleidungsregeln in Deinem Unternehmen (wie bei vielen Banken), sind eine gute Passform, ein modischer Schnitt und ein wenig Individualität machbar.

Und wichtig für Deine persönliche Ausstrahlung. Nach innen und außen.

 

TIPP 2: Überlege Dir, wem Du mit Deiner Kleidung etwas vermitteln willst

Natürlich nimmt Dich jeder wahr. Jeder in der S-Bahn, im Auto nebenan, im Supermarkt, beim spazieren gehen.

Aber eben auch in Deiner Arbeitswelt. Schon am Empfang, an Deinem Arbeitsplatz, in der Kantine, in der Küche, in der Sitzung, auf dem Parkplatz, im Personalgespräch.

Wem willst Du hier durch Dein Outfit etwas konkret transportieren? Deinen Kollegen, Vorgesetzten oder eher Deinen Kunden?

Oder Dir selbst?

Warum willst Du genau das „kommunizieren“? Ist es hilfreich für Deine Entwicklung im Job?

Beispiel: Du arbeitest als Frau in einer männerdominierten Branche. Um ernst genommen zu werden und gleichwertig zu wirken, trägst Du ab sofort nur Anzüge, bindest die Haare täglich zu einem strengen Knoten und gibst Dich betont burschikos. Das wird nichts. Denn auch, wenn dem Gegenüber die Maskerade nicht direkt bewusst wird, merkt er dennoch gefühlsmäßig, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Und das transportiert weder Vertrauen noch Kompetenz.

Das „wem“ ist also direkt verbunden mit dem „was“ im nächsten Tipp.

 

TIPP 3: Mach Dir klar, was Du mit Deiner Kleidung ausdrücken willst

Mit jedem Kleidungsstück, jedem Accessoire, drückst Du etwas aus. Du teilst Deinem Gegenüber etwas mit. Direkt oder indirekt.

Wer Deine Zielgruppe ist, hast Du gerade geklärt.

Mach Dir klar, welche Wirkung Du mit Deinem Outfit erzielen willst.

Ob Du jugendlich wirken willst, seriös, kreativ, anspruchsvoll, nobel, würdevoll, unangepasst, rockig, mädchenhaft, männlich, vertrauenswürdig, freundlich, mächtig, unauffällig, sportlich, clever, lebenslustig…

Und, was Dein Unternehmen, Dein Umfeld, Deine Kundschaft von Dir erwarten.

Bei aller Individualität ist es wichtig, dass man in seinem Auftreten nicht konträr zu seiner Aufgabe handelt. So würdest Du mit einem lila Irokesenschnitt als Zahnarzthelferin sicher die Spannung beim Patienten abbauen, beim Chef aber vielleicht weniger…

Mit der gleichen Frisur in einer Bank aufzutauchen, würde sicher viele Kunden veranlassen, ihr Geld wieder mitzunehmen. Ungerecht? Mag sein, aber in einem Geldinstitut erwartet man Seriosität. Das drückt dieser Haarschnitt nach unseren gesellschaftlichen Maßstäben nicht aus.

Umgekehrt macht es wenig Sinn im Anzug als Mechatroniker in der Kfz-Werkstatt zu erscheinen. Schade um den Anzug. Und kompetent würde dieses Outfit auf Kunden, die ihren Wagen zur Inspektion bringen, eher nicht wirken. Weil es nicht passt.

Versetz Dich am besten in die Lage Deiner Kunden, Deines Chefs und Deiner Kollegen. Und kläre, welche Anforderungen Dein Outfit erfüllen soll oder sogar muss, um Dich kompetent und gleichzeitig glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Tipp 4: Finde „Deine“ Farben

Der schönste Schnitt, der feinste Stoff, die raffiniertesten Extras wirken nicht, wenn die Farben nicht zu Dir passen.

„Ich kann eigentlich alles tragen“. Wie oft höre ich das…

Also, wenn ich zum Beispiel als Oberteil schwarz trage, sehe ich ziemlich blass aus. Wie frisch gestorben. Genau so sieht die Sache aus bei Teilen in weinrot oder türkis.

Warum? Weil es Farben einer bestimmten Farbgruppe sind, die mit meinem Hautton und meinen Augen eben so gar nicht harmonieren. Macht ja auch nichts, es gibt ja genug andere Farben, die toll zu mir passen.

Am besten einfach mal ausprobieren.

Du kannst jetzt eine ausgedehnte Modenschau machen mit allen möglichen Farben in Ober- und Unterteilen und Schuhen. Ach ja, vergiss die Accessoires nicht.

Oder Du besorgst Dir einen bunten Strauß an Halstüchern oder Stoffstücken in allen möglichen Farben. Diese legst Du Dir in unterschiedlichen Kombinationen am besten um die Schultern, so dass Du die Wirkung zu Deiner Gesichts-Haut siehst.

Farben, die Dich jetzt blass machen oder krank aussehen lassen, sind nicht Dein Ding. Solche Farbtöne kannst Du aber dennoch als Rock oder Hose tragen, wenn Du das Oberteil in „Deinen“ Farben dazu kombinierst.

Am besten bei natürlichem und künstlichem Licht austesten. Du wirst Dich wundern, wie unterschiedlich Farben dabei wirken können.

 

TIPP 5: Ohne Drumherum ist alles nichts

  Was ist eine Hand ohne Ring, ein Handgelenk ohne Uhr?

  Ein Hals ohne Kette oder Tuch, Krawatte, Fliege?

  Was ist ein Outfit ohne die passenden Schuhe, Stiefel, Sandalen?

  Und welche Frisur passt nicht nur zu Dir, sondern auch zu Deiner Arbeitswelt?

 

Es wird Zeit, das Outfit zu ergänzen. Denn Accessoires bringen erst den Pfiff.

Aber auch hier gibt es einiges zu überlegen.

 

Kritische Accessoire-Fragen (ganz wertfrei, aber nachdenkenswert):

Darf es beim Bankangestellten eine Taucheruhr von der Größe einer Wanduhr sein?

Und solltest Du als Finanzbeamter Piercings tragen?

Ist das Fusskettchen passend für eine Rechtsanwaltsgehilfin?

Deine Muskeln sind sicher bemerkenswert, aber auch Dein gut sichtbares Tattoo?

High-Heels beim Zahnarzt sind sicher aufregend, aber auch beruhigend und vertrauenserweckend?

Macht ein Designer-Halstuch auf dem Bau schon aus Sicherheitsgründen Sinn?

Und wie sieht es mit den klimpernden Ohrringen im Callcenter aus?

 

Auch hier gilt das, was Du bisher für Dich erarbeitet hast. Berücksichtige also den Zweck, die Rahmenbedingungen und evtl. Sicherheitsanforderungen.

Und den Stil.

 

TIPP 6: Finde Deinen Stil

Apropos Stil. Probiere jetzt einfach aus. Stoffe, Leder, Schnitte, Design, Farben, Schuhe, Accessoires. Finde Deinen Stil. Probier alles aus und fühle in Dich rein. Ganz spontan.

Gut oder nicht gut?

Tausche die Farben und Materialien untereinander aus. Sei kreativ. Es sieht Dich ja niemand.

Gut oder nicht gut?

Aber denke auch hier an die Erwartungen in Deiner Arbeitswelt. Eine Lederkluft mag Dich cool erscheinen lassen, passt aber in die meisten Branchen sicher nicht optimal.

Hab Geduld, auch mit Deinem Kleidungsstil. So etwas bildet sich nicht in einem Tag. Dazu braucht es Gefühl, Erfahrung und einfach Spaß am Ausprobieren.

 

TIPP 7: Bühne frei!

Jetzt bist Du soweit. Vorhang auf.

Nimm Dein Handy oder Deinen Fotoapparat und fotografiere Dich in Deinen Outfits.

Farbig, aber auch in sepia oder schwarz-weiß.

Wozu Fotos?

Ganz einfach. Der persönliche Wohlfühleffekt ist eine Sache. Aber es spielen bei der eigenen Einschätzung immer auch frühere Erfahrungen („Du bist eben ein Moppelchen“), Glaubenssätze der Eltern („grün und blau trägt man nicht“, „Streifen strecken, Karos machen dick“, „bei Röcken sieht man Deine X-Beine“) und Modediktate der einschlägigen Magazine eine Rolle.

Die Sache ist aber ganz einfach: Ob ein Outfit gelungen ist, zeigt ein Foto ganz nüchtern. Und auch, was Du vielleicht daran noch optimieren könntest.

Und wenn Du clever bist, machst Du schon einige Vorher-Fotos. Dann siehst Du den Unterschied noch viel stärker.

 

Fazit:

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Aber ein bisschen testen und polieren ist spannend und bringt ganz neue Seiten an Dir zum Strahlen.

 

Portrait2Probiere es aus und erzähl mir, was Du erlebt hast! Ich bin gespannt.

 

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