Sabbatical (1) – der kleine Ausstieg auf Zeit

 

Du bist dann bald weg… sabbatical2

Dies ist der erste Teil der Beitragsreihe rund um die Auszeit vom Job: Sabbatical.

 

Was ist ein Sabbatical?

Hast Du bis vor ein paar Jahren jemals etwas von einem Sabbatical gehört? Nein? Kein Wunder! Als wir hierzulande gerade das Überstunden-Langzeitkonto und mit viel Skepsis die Telearbeit entdeckt haben, erfand man in amerikanischen Universitäten eine neue Form der Erholungszeit vom Job – genannt „Sabbatical“. Der Name ist abgeleitet vom hebräischen „Shabbat“, einer in der Bibel erwähnten Ruhepause für Land und Leute.

Diese Auszeit wurde ins Leben gerufen, um den Universitätsmitarbeitern eine Verschnaufpause zu bieten. Also ihnen die Möglichkeit zu geben, sich weiterzubilden, sich eine längere Ruhepause zu gönnen und den Horizont zu erweitern.

Ein Sabbatical ist also einfach eine Abwesenheit vom Job. Du hast als Arbeitnehmer die Möglichkeit, über mehrere Monate Job Job sein zu lassen und im Anschluss oder später wieder auf Deinen alten oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz zurückzukehren.

Was noch vor ein paar Jahren regelrecht als anrüchiges Ansinnen von Drückebergern bewertet wurde, ist heute ein anerkanntes Mittel zur Mitarbeiterbindung und -förderung. Viele Unternehmen haben hierzu umfangreiche Programme aufgelegt, die von der Umwandlung aufgelaufener Überstunden bis zur jahrelangen unbezahlten Auszeit mit Arbeitsplatzgarantie reichen.

Die persönlichen Beweggründe sind vielfältig. Ebenso wie die daraus resultierenden Vorteile für Dich und Deinen beruflichen (und privaten) Werdegang.

Allerdings gibt es ein paar Voraussetzungen, die ich im nachfolgenden Leitfaden für Sabbatical-Interessenten aufzeige.

Bitte beachte: Da es unzählige individuelle und betriebliche Varianten gibt, erhebt dieser Leitfaden keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Rechtmäßigkeit in Deiner persönlichen Arbeitswelt. Konkrete und verbindliche Aussagen kann nur Dein Arbeitgeber treffen. Aber dazu mehr weiter unten.

 

Wo ist die Grundlage für ein Sabbatical festgehalten?

Gesetzliche Grundlage für den freien Markt bildet das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) vom 1. Januar 2001. Für Beamte gibt es anderweitige Regelungen.

Betriebliche Voraussetzung: Eine Betriebsgröße von mindestens 15 Mitarbeitern (Ausnahmen durch persönliche Absprache in kleineren Betrieben soll es aber auch geben).

Persönliche Voraussetzung: Du musst mehr als 6 Monate im Betrieb tätig sein.

Aber: Aus dem Arbeitsrecht heraus gibt es keine Verpflichtung für den Arbeitgeber. Er kann jederzeit aus betrieblichen Gründen dem Vorhaben widersprechen. Es sei denn, der Anspruch wurde im Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Einzelarbeitsvertrag festgelegt. Auch dort gibt es dann eine Reihe von Voraussetzungen und Bedingungen, die Du Dir bitte unbedingt anschauen solltest.

 

Dauert ein Sabbatical wirklich ein Jahr?

Nein, in der Regel dauert ein Sabbatical zwischen 3 und 12 Monaten, manchmal auch länger. Das ist individuell unterschiedlich und hängt von den betrieblichen Gegebenheiten und Deinen finanziellen bzw. familiären Möglichkeiten ab.

 

Bekommst Du in dieser Zeit Geld vom Arbeitgeber?

Das kommt darauf an, wie Du das Sabbatical „finanzierst“.

Bei folgenden Varianten bleibt der Vorteil, dass der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge weiter bezahlt:

  • Überstundenkonto: Nutzung Deiner angesparten Überstunden auf einem Langzeitkonto oder Lebensarbeitszeitkonto. Bei der Ansparung ist auf die gesetzlichen und tarifvertraglichen Regeln zu Über- und Mehrarbeit zu achten.
  • Urlaubsanspruch: Nutzung von Teilen des Urlaubsanspruches auf Langzeitkonten und Lebensarbeitszeitkonten. Hier ist jedoch unbedingt die gesetzliche Vorgabe zu beachten, wie mit Urlaubsansprüchen umzugehen ist und bis wann diese zu nehmen sind.
  • Teilzeitformen: Du erhälst z.B. für Deinen Vollzeitjob nur einen Teil Deines Gehaltes und kannst für den eingesparten Teil eine bezahlte Auszeit nehmen.

Bei diesen Varianten musst Du Dich um das Thema Sozialversicherung selbst kümmern:

  • Unbezahlter Urlaub: Hiermit kannst Du Deine Urlaubsansprüche und/oder Überstundenansprüche verlängern – ohne Gehalt und Versicherung.
  • Kündigung: Hierbei hast Du den größten Spielraum, Dein Sabbatical zu verlängern und zu gestalten, wie Du möchtest. Auch hierbei bist Du nicht mehr versichert. Es sei denn, Du erhältst eine Abfindung mit bezahlter und versicherter Freistellung für einige Zeit.
  • Kündigung mit Wiedereinstellungsgarantie: Übrigens gibt es auch die Möglichkeit mit Wiedereinstellungsgarantie zu kündigen. Das bringt dem Arbeitgeber z.B. dann Vorteile, wenn er aufgrund schlechter Auftragslage oder eines finanziellen Engpasses ohnehin Personal abbauen müsste. Du kannst dann Deine Auszeit nehmen und Dein Betrieb kann sich in dieser Zeit von der Tiefphase erholen. Nach Deiner Rückkehr kommst Du wieder ins Unternehmen zurück. Du hast die Sicherheit und Dein Arbeitgeber wieder einen kompetenten Mitarbeiter zur Verfügung.

 

Was darfst Du im Sabatical tun und was nicht?

Grundsätzlich darfst Du von Dolce far niente, dem süßen Nichtstun, bis zur Weltreise alles unternehmen. Du kannst Dich auch ehrenamtlich einsetzen. Und sofern Du Deinem Arbeitgeber komplett tschüss gesagt hast oder es vorher mit ihm abgestimmt hast, kannst Du auch jobben.

Wichtig: Erkundige Dich vorher immer, ob Dein bisheriger Beruf Dir Grenzen hinsichtlich einer Tätigkeit in der gleichen Branche oder sonstige anderweitige Beschränkungen vorgibt. Dies können auch geographische Grenzen sein. Es kann also möglich sein, dass Du aufgrund Deines Berufes gar nicht in bestimmte Gegenden reisen darfst. Diese Beschränkungen können auch über den Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen hinaus reichen.

Wirf einen Blick in Deinen Arbeitsvertrag oder in den Tarifvertrag. Oder frage einfach Deinen Arbeitgeber. Am besten: Personalabteilung oder Betriebsrat.

 

Was hast Du von einem Sabbatical?

Viel, sehr viel!

Du hast Zeit für Dich.

Du hast Zeit für Deine Weiterbildung.

Du hast Zeit für andere und anderes.

Du lernst Dich von einer ganz neuen Seite kennen.

Und Deine Umwelt auch.

 

Entdecke Dein Zuhause:

Wann hast Du Deinen Garten zuletzt bei Tageslicht gesehen? Wusstest Du, dass jetzt gerade die Meisenfamilie den Nistkasten bezieht? Und, dass die Katzen sämtlicher Nachbarn liebend gerne auf Deinem Fußabtreter vor der Terassentür in der Sonne schlafen?

Und wann hast Du zuletzt vormittags auf dem Biomarkt eingekauft? Und spontan in der Sonne einen Cappuccino geschlürft, ohne, dass tausend Menschen mit Dir um einen Platz kämpften?

Entdecke die Welt:

Spaß und Abenteuer, in den Ländern, die Du schon immer bereisen wolltest. Grenzenlos. Aber Du kannst doch nicht? Doch, Du kannst.

Neuseeland, USA, China, Japan, Portugal, Nordpol, Mauritius, Schweden oder das Schlemmerparadies Piemont?

Entdecke Dich:

Ob Renovierungsstau zuhause, wandern auf dem Jacobsweg, die Tour mit dem Huskyschlitten, Lehmbau lernen in Afrika oder surfen vor Hawaii – mach einfach, wonach Dir ist.

Du hast keine Lust mit dem Rucksack durch die Gegend zu marschieren?

Musst Du ja auch nicht. Hotel, Pensionen, Privatzimmer, Hostels, Wohnmobil…igendwas ist Dein Ding und macht Dich happy.

 

Was hat Dein Arbeitgeber davon?

Viel! Du kommst seinen betrieblichen und wirtschaftlichen Interessen sehr entgegen.

Cool down: Jede Auszeit lässt Dich runterkommen und voller Energie wieder einsteigen. Davon profitieren Dein Chef und Deine Kollegen in jedem Fall.

Know-how: Dazu kommen die Erfahrungen und Kenntnisse, die Du Dir angeeignet hast. Nach einem Auslandstrip kannst Du Dich in mindestens einer Sprache besser verständigen. Dein Selbstbewusstsein ist gestärkt, Dein Verständnis für andere Kulturen und Lebensweisen gewachsen. Du bist ganz sicher stressresistenter und flexibler.

Qualifizierung: Du hast Dich gezielt weitergebildet? Einen passenden Abschluss gemacht oder eine Zusatzausbildung absolviert? Dann kann Dein Chef Dich für neue und anspruchsvollere Aufgaben einsetzen.

Kündigung vermeiden: Dein Unternehmen schwächelt? Dann kommst Du ihm mit einer unbezahlten Auszeit sehr entgegen, ohne das Arbeitsverhältnis kündigen zu müssen. Nach einem Jahr sieht die Bilanz meist wieder sehr viel rosiger aus.

Mitarbeiterbindung: Nicht zu vergessen – Deine Motivation durch ein solches betriebliches Angebot bindet Dich „unauffällig“ an das Unternehmen. Und Du erzählst gerne anderen von Deiner coolen Firma.

 

Welche Nachteile kann es Dir bringen?

Der einzig mögliche Nachteil ist aus meiner Sicht die lange Abwesenheit vom Betrieb.

3 – 12 Monate sind schon eine lange Zeit. Wer schon einmal 4 Wochen oder mehr am Stück nicht im Unternehmen war, kennt den Berg an Emails und die tagelange Aufarbeitung aller geänderten Arbeitsrichtlinien, Infos etc.

Es finden vielleicht Neueinstellungen, Umbesetzungen und Beförderungen statt. Ohne Dich.

Auch familiäre Probleme können sich einstellen. Die Zurückbleibenden fallen Dir vielleicht nicht immer vor Freude um den Hals. Nimm Dir Zeit für intensive Gespräche, erläutere Deine Gründe.

Und bleib bei Deinem Vorhaben. Die Vorteile für Dich werden sich auch in Deinen Beziehungen positiv bemerkbar machen.

 

Welche Nachteile hat Dein Arbeitgeber?

In erster Linie muss Dein Chef nach einer Vertretung suchen, die meist jedoch nur für den Zeitraum benötigt wird. Nicht ganz einfach.

Oder die Arbeit auf andere Kollegen verlagern – was nicht nur für Freude sorgt…

Dazu kommt Unruhe im Team auf und Neid, Sticheleien…

Es ist auch ein bisschen Verwaltungsaufwand nötig.

Frag daher weit im Voraus an, mindestens 6-12 Monate vorher. Nur so hat Dein Chef genug Zeit, alles optimal zu regeln.

Mach ruhig einige Vorschläge, wie Deine Vertretung geregelt werden könnte. Der Arbeitgeber sollte sehen, dass Du nicht nur an Dich denkst. Schließlich willst Du ja dort wieder arbeiten.

 

Nutze die Gelegenheit – oder schaffe sie Dir

Sei ehrlich. Es wäre für Dich ein Wahnsinns-Ding, ein Sabbatical zu machen, oder?

Aber…

Aber…

Aber…

Stell Dir vor, Du sitzt demnächst in Thailand an einem herrlichen Strand…und vergräbst Dein „Aber“ im Sand.

 

In Teil 2 „Sabbatical planen – was der Auszeitvertrag beinhaltet“ erhältst Du Informationen darüber, wie und wo Du Deine Auszeit beantragst und einen Vertrag dazu mit Deinem Arbeitgeber schließt.

 

 

Portrait2Was hält Dich noch ab? Worauf hättest Du so richtig Lust in Deiner Auszeit?

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