Führung – vom Umgang mit Chef-Muränen und Brüllaffen

FührungsstilDie Tür ging auf. Als erstes sah man wache unruhige Augen, die alles um sich herum aufnehmen wollten. Sie flitzten misstrauisch hin und her, auf jede Person gerichtet, die sie sahen.

Am Ende des Flurs eine Glastür. Kaum war die Tür halb geöffnet, brüllte der hochrote Kopf: „Wird hier nichts gearbeitet? Die Produktion ist viel zu niedrig.“

Eine Stimme, die jedem Tenor alle Ehre gemacht hätte.

Eine Lautstärke wie in einem Fußballstadion nach dem 5. Tor.

Dumm nur, dass wir eben nicht in einem Stadion waren, sondern in einem Kreditinstitut. Und, dass nicht nur jeder Mitarbeiter das über sich ergehen lassen musste, sondern auch die Kunden am Telefon alles bestens hörten.

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Das war ein echtes Highlight der Führungskultur.

Wir nannten diesen Chef nur „Muräne“. In den wichtigen Momenten kaum sichtbar, schoss er in den unmöglichsten Zeiten aus seinem Büro und griff jeden an, der gerade in Sichtweite kam. Ungerechtigkeiten waren dabei bereits eingepreist.

Kopfschüttelnd und leicht resigniert saßen wir oft beim Mittagessen und fragten uns, wie man damit umgehen soll.

Sich wehren, laufen lassen, lachen, mitmachen?

 

 

  • Welche Führungskräftetypen begegnen Dir in der Jobwelt häufig?

  • Was erwartet die jeweilige Führungspersönlichkeit von einem Mitarbeiter oder einer untergeordneten Führungskraft?

  • Wie reagiert man angemessen, ohne Porzellan zu zerschlagen?

 

Ein paar Tipps vorweg:

Auch wenn Dich das Verhalten des Chefs innerlich auf die Palme bringt, macht es keinen Sinn, ihn zurecht zu weisen.

Das Ziel ist, eine Form der Zusammenarbeit zu erreichen, die allen etwas bringt. Bleib also stets ruhig, freundlich und aufmerksam.

Ich halte viel davon, Reaktionen des Vorgesetzten anzusprechen, wenn sie belastend und destruktiv wirken. Das sollte in aller Ruhe unter 4 Augen geschehen.

Dabei das Anliegen so formulieren, dass kein Vorwurf daraus ableitbar ist, sondern Deine Position als Empfänger deutlich wird: „Ich habe das so wahrgenommen“ oder „Das ist so bei mir angekommen“.

Formuliere höflich – aber bestimmt – dazu Deine Erwartungen an eine konstruktive Mitarbeiterführung. Schildert Dein Vorgesetzter dann seine Erwartungen an Dich – prima! So weisst Du gleich, was ihm wichtig ist.

Tipps zum Gespräch mit dem Chef findest Du auch hier.

 

Führung

– vom Umgang mit Muränen und Brüllaffen

Einige der beschriebenen Führungskräfte-Typen werden Dir sicher bekannt vorkommen.

Natürlich gibt es noch unzählige mehr. Und vor allem auch etliche Mischtypen.

Lies hier Interessantes, Lustiges und Tierisches über Chef und Chefchen.

 

Der ängstlich – misstrauische Führungstyp

Dieser Typ hat ständig das Gefühl, jeder Mitarbeiter würde nicht genug arbeiten, lügen oder Intrigen spinnen.

Um das zu verhindern, führt der ängstlich-misstrauische Typ ständig Kontrollen durch, hinterfragt zum x-ten Mal Vorschläge und versucht sich durch diktatorische Methoden zu behaupten. Er ist stets auf der Hut und beobachtet alles um sich herum.

Wie Du damit umgehen kannst:

Zeig, dass man sich auf Dich verlassen kann und Du alles gut durchdenkst. Steh mit beiden Beinen auf dem Boden und lass Dich nicht von negativen Stimmungen im Unternehmen verunsichern. Das würde nämlich Deinen Chef nur noch misstrauischer machen.

Bleib gelassen und ruhig auch in Stresssituationen. Eigene Unsicherheiten und Ängste solltest Du ihm besser nicht erzählen.

Stellst Du fest, dass etwas nicht in Ordnung ist, teile das diesem Vorgesetzten immer ruhig und strukturiert mit. Vor wichtigen Terminen hilft es z.B. einen konkreten Ablaufplan und ein stimmiges Konzept auszuarbeiten. Das verschafft Sicherheit und beweist Deinem Chef, dass er auch Verantwortung abgeben kann.

 

Der extrovertierte – selbstverliebte Führungstyp

Dieser Typ sucht gerne die Aufmerksamkeit und will stets an der Front stehen. Er braucht Zustimmung und die Vorrangstellung im Team, besser noch im Unternehmen.

Mit oft übertriebenem Charme und aggressiver Offenheit geht er auf andere zu, zieht sie mit und versucht sie mit allen Mitteln für sich einzunehmen. Wehe dem, der sich nicht voll auf seine Seite ziehen lässt.

Alternative Meinungen oder innovative Ideen sieht er höchst ungern oder gibt sie einfach als seine aus. Äußerungen darüber gibt er gerne vor versammelter Belegschaft ab.

Andere Menschen, vor allem kompetente Kollegen oder Mitarbeiter, werden gerne dramatisch bewertet bzw. einfach abgewertet.

Wie Du damit umgehen kannst:

Seinem Drang nach Aufmerksamkeit solltest Du genau damit begegnen – nämlich mit Aufmerksamkeit. Nicht übertrieben, theatralisch. Sondern ehrlich und anerkennend in den Situationen, die aus Deiner Sicht anerkennenswert sind.

Zur Aufmerksamkeit gehört auch die Einhaltung seiner Regeln, z.B. pünktlich zu Meetings zu erscheinen oder Anweisungen korrekt auszuführen.

Abwertungen anderer Menschen durch den Chef begegnest Du am besten neutral. Mit beifallheischender Zustimmung über das vermeintliche Unvermögen der Kollegen verschaffst Du Dir keine nachhaltige Anerkennung. Im Gegenteil: Der Vorgesetzte wird sich fragen, wie Du hinter seinem Rücken über ihn sprichst. Das schafft Misstrauen.

Abwertungen Deiner eigenen Person solltest Du in einem 4-Augen-Gespräch mit ihm klären. Hat er seine Äußerungen öffentlich gemacht, bitte ihn darum, Kritik an Dir stets vertraulich zu behandeln. Diese heiklen Themen eher zurückhaltend äußern und immer konkret auf den Punkt bringen.

 

Der „einsamer Wolf“ – Führungstyp

Dieser Typ ist sicher nicht die ideale Führungspersönlichkeit, da er sehr gerne alleine arbeitet und weniger gerne in der Öffentlichkeit steht. Er bleibt in seinem Büro und arbeitet am liebsten ohne Unterbrechung. Auch Anliegen seiner Mitarbeiter stören ihn.

Emotionen sind nicht sein Ding. Er wirkt auf Mitarbeiter und Kollegen häufig unbeteiligt und gleichgültig. An Veranstaltungen nimmt er in der Regel nicht teil und wenn, dann eher gequält und steif.

Wie Du damit umgehen kannst:

Der „einsame Wolf“-Typ legt keinen großen Wert auf Kontakte. Da ihn auch Anliegen von Mitarbeitern aus seiner Gedankenwelt herausreißen, ist es sinnvoller, ihm Anfragen zu mailen und um ein Feedback zu bitten.

Sitzungen sollten kurz und knapp und optimal strukturiert sein. Zu besprechende Unterlagen frühzeitig vorlegen, um ihm die Möglichkeit zu Rückfragen zu geben. Redebeiträge sehr übersichtlich gestalten.

Reibereien in Teams sind nicht sein Ding. Du kannst hier nicht auf seine Empathie hoffen, da solche Führungstypen hierfür keine Antenne haben. Wenn Du Lösungen für ein Teamproblem oder ein Problem mit einem Kunden suchst, stell ihm das Thema kurz vor und präsentiere gleich eine Lösung dafür.

Entspricht Dein Vorschlag nicht ganz seinem Geschmack, kann er – auf diese Weise warmgelaufen – seine konkrete Lösung noch ergänzen. So kommst Du mit Deinem Chef zu einem optimalen Ergebnis, ohne ihn zu stressen.

Das schafft Sicherheit und Vertrauen.

 

Der kollegiale fördernde Führungstyp

Dieser Chef-Typ ruht in seiner Persönlichkeit und ist souverän im Beruf.

Seinen Mitarbeitern steht er kollegial und fördernd gegenüber. Er honoriert Engagement und schiebt förderungswürdige Mitarbeiter gerne an.

Auch wenn er klare Ziele und Erwartungen hat, interessiert er sich stets für Ideen oder Kritik. Jeder darf sich mit ihm auseinandersetzen, lachen, tüfteln, arbeiten.

Dafür erwartet er vollen Einsatz und Loyalität dem Unternehmen gegenüber.

Wie Du damit umgehen kannst:

Dieser Führungskräftetyp agiert fair und verbindlich. Und er erwartet das auch von seinen Mitarbeitern. Kein einseitiges Strampeln, um schnell nach oben zu kommen, sondern engagierte und kollegiale Zusammenarbeit.

Ideen und Verbesserungsvorschläge sind willkommen, sollten aber gut ausgearbeitet sein.

Flüsterparolen hört er nicht gern, da diese Art des Umgangs nicht seinem Bild von einer konstruktiven Zusammenarbeit entspricht. Er schätzt es, wenn Themen offen angesprochen werden.

Besprich persönliche Defizite und Erwartungen einfach in einem 4-Augen-Termin mit ihm. Gerade diese ehrliche Selbstreflektion schafft Vertrauen. Und nicht selten bekommst Du plötzlich Aufgaben, von denen Du bisher höchstens geträumt hast.

 

Der harmoniebedürftige Führungstyp

Dieser Vorgesetzten-Typ liebt die Harmonie und hat eine tiefe Abneigung gegen Auseinandersetzungen jeder Art. Eine gute Zusammenarbeit ist für ihn eine Zusammenarbeit ohne jegliche Störgefühle.

Mit Streitigkeiten im Team oder Intrigen im Kollegenkreis kann er nichts anfangen. Und nichts dagegen setzen.

Mitarbeiter, die ihm Kritik oder Verbesserungsvorschläge melden, verunsichern ihn nur.

Wie Du damit umgehen kannst:

Zeig, dass Du einfach Spaß an der Arbeit im Team hast.

Je weniger fordernd und kritisch Du auf diesen Führungstyp wirkst, desto mehr kann er mit Dir als Mitarbeiter anfangen.

Geh Probleme konstruktiv und vermittelnd an. Zeig auch hier stets, dass Du Kritik nicht wegen der Aufmerksamkeit äußerst, sondern um das Team voranzubringen.

Mit einer Portion Humor und Gelassenheit hast Du Deinen Chef ganz sicher sofort an Deiner Seite.

 

 

 Portrait2Mit welchem Führungstyp arbeitest Du am liebsten?

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