Alt und kompetent(2) – finde Dein Alleinstellungsmerkmal

Erfahrungswissen Mut AlleinstellungsmerkmalSei ganz einfach einzigartig

 

 

Mit 11 Jahren lernte ich reiten.

Und fiel aus allen Wolken, als ich Maria kennenlernte.

Sie war total nett.

Und drahtig.

Und konnte toll reiten.

Und war immer lustig.

Und war…82 Jahre alt.

82 Jahre und ritt auf einem Pferd mit 1,74m Rückenhöhe…

Es verging kein Tag, an dem Maria nicht in voller Reitmontur zu ihrer Seniorenreitstunde mit anderen Damen erschien.

Sie entschuldigte sich immer ganz peinlich berührt, dass sie nun eine Aufsteighilfe brauche. (Etwas, was heute übrigens Standard ist, weil schonender für Pferd und Reiter.)

Jammern gab es bei ihr nicht. Und lieber im Sessel ausruhen, kam auch nicht in Frage.

Ihr Alleinstellungsmerkmal war ihr Durchhaltevermögen und ihre Zähigkeit.

Sie war konsequent und leidenschaftlich bei den Dingen, die sie gerne tat.

Und war in gewisser Weise auch hart gegen sich selbst.

Das war Marias Alleinstellungsmerkmal. Dafür war sie bekannt. Und beliebt.

Für viele Reiter, die gerne mal bei Wind und Wetter zuhause blieben, war sie damit auch ein Vorbild.

Sie hat diese Eigenschaften übrigens nicht aktiv an die Öffentlichkeit getragen und damit geprahlt. Im Gegenteil: Nie sprach sie darüber.

Sie war einfach so. Sie tat diese Dinge eben. Sie lebte sie.

Das ist das Geheimnis. Das ist sozusagen der heilige Kral.

Bei sich selbst zu sein. Seine Werte, seine Vorstellungen zu erkennen. Und zu leben. Einfach seinen Flow finden.

 

Was ist das eigentlich genau – ein Alleinstellungsmerkmal?

„Das war doch der mit dem Sprachtalent. Hat der nicht schon beim Abi 5 Sprachen gesprochen?“

„Kann die Aufgabe nicht Frau Melzer übernehmen? Sie hat doch immer alles bestens im Blick.“

„Hier muss Dennis ran. Seine Stärke sind ja schwierige Kunden.“

Diese Leute sind im Gedächtnis geblieben, weil sie etwas hatten, was sie besonders machte.

 

Alleinstellungsmerkmal ist ein Fachbegriff aus dem Marketing. Eigentlich unique selling proposition, kurz USP.

Es benennt die Einzigartigkeit eines Produktes oder einer Dienstleistung, die den Käufer davon überzeugen soll, gerade dieses Produkt zu kaufen.

Warum ist dieses Produkt besser? Was macht es interessanter als alle anderen Produkte? Was hast Du davon, wenn Du es kaufst?

In der Werbung ist es eben die Kunst, ein bestimmtes „Alleinstellungsmerkmal“ so darzustellen, dass beim Konsumenten einfach die Lust aufkommt, zuzugreifen. Auch, wenn er vorher noch gar keinen Bedarf verspürt hatte.

Und mal Hand aufs Herz…Alleinstellungsmerkmale sind oft gar nicht einzigartig, sondern nur im Kontext besonders clever dargestellt.

Sieh Dir die 5 meistverkauften Automarken an. Sie können Dich alle bestens ans Ziel bringen. Sicher und komfortabel.

USP liegt also oft gar nicht im messbaren Bereich, sondern eher im emotionalen.

 

Was heißt das nun für Dich?

Übertragen auf Dich als Arbeitnehmer bedeutet das:

Was macht Dich interessanter und gewinnbringender als Deine Kollegen?

Was behält man von Dir so in Erinnerung, dass man auf Dich zurückkommt?

Was kannst Du besonders gut,

besonders überzeugend,

besonders schnell,

besonders publikumswirksam?

Bei mir ist das z.B. meine Stärke, Zusammenhänge sehr schnell zu erkennen, stets den Überblick zu behalten und auch bei größtem Druck eine Aufgabe zum Ziel zu bringen.

Das können auch viele andere Menschen auf der Welt gut. Aber eben nicht in diesem Bereich in diesem Unternehmen zu dieser Zeit. Und das wusste auch mein Arbeitgeber zu nutzen.

Und genau dafür ist es wichtig, Dein USP zu finden und das auch heraus zu stellen. Nur dann kannst Du es auch erfolgreich einsetzen.

 

Tipps, wie Du Dein Alleinstellungsmerkmal findest

Maria war sicher eine Ausnahmeerscheinung. Und nicht jeder hat Spaß und die Möglichkeit, bis zu seinem 82. Lebensjahr Sport zu treiben.

Maria zeigte aber eines ganz sicher:

Man ist so alt, wie man sich fühlt.

Und genau das zeigst Du auch im Job.

Hast Du selbst das Gefühl, nicht mehr zu genügen, strahlst Du das auch aus.

Hast Du selbst das Gefühl, Du seiest langsam, nicht mehr aufnahmefähig, könntest nicht mehr mithalten mit jungen Leuten, dann strahlst Du das aus.

Hast Du das Gefühl, Dein Chef übergeht Dich und hat dich gedanklich schon abgeschrieben, strahlst Du das aus.

Finde zu Dir. Dann findest du auch Dein Alleinstellungsmerkmal.

 

Tipp 1: Mach keine Wissenschaft daraus. Bleib locker.
Du sollst keine Diplomarbeit schreiben. Dein Alleinstellungsmerkmal (USP) darf ruhig in Deinen Worten formuliert sein. Kurz und knapp.

 

Tipp 2: Betreibe ein wenig Selbstreflexion

Was macht Dich aus Deiner Sicht aus?

Was kannst Du besonders gut und machst es gern? Was geht Dir leichter von der Hand als anderen?

Wie würdest Du z.B. reagieren, wenn Du nur noch eine Woche zu leben hättest?

Denke dabei nicht nur an den Arbeitsplatz, sondern auch an die Freizeit. Hobby, Ehrenamt, Freundschaft, Werte, …

Bist Du z.B. Vorstand Deines Tennisvereins?

Oder entwickelst für Freunde Apps?

Oder trainierst Du traumatisierte Kettenhunde?

Oder bist im Projekt immer die mit den guten Ideen?

Gibt man dir im Call-Center gerne die aufbrausenden Kunden, weil Du so ausgeglichen und beruhigend wirkst?

Hier zeigen sich Deine Stärken und Talente.

 

Tipp 3: Frag Deine Freunde und Kollegen, was Dich in ihren Augen ausmacht

Oft kommen hier Aspekte zur Sprache, die Dir gar nicht so bewusst sind. Z.B., dass Du immer derjenige bist, der stressige Situationen auflockert. Oder der bist, der für den Zusammenhalt im Team sorgt und anderen ganz intensiv zuhören kann.

 

Jetzt erstelle mit Deinem Alleinstellungsmerkmal einen elevator pitch. Also eine Kurzbeschreibung, die in 30 Sekunden alles über dich sagen sollte.

Was es damit auf sich hat, habe ich in Elevator Pitch – so überzeugst Du ganz einfach in 30 sec. beschrieben.

 

Was bringt Dir nun Dein Alleinstellungsmerkmal?

Ganz einfach: Du machst Dich sichtbar.

Wie soll jemand wissen, was Du kannst und wer Du bist, wenn Du es selbst nicht weißt oder nicht zeigst? Dein Erfahrungswissen aus Teil 1 bildet hier das Fundament.

Wenn Du Dein Alleinstellungsmerkmal gefunden hast, wirst Du unbewusst genau diese Einzigartigkeit leben und ausstrahlen.

Und dafür sind Arbeitgeber sehr empfänglich. Vor allem, wenn sie Aufgaben abzugeben haben, für die sie die bestmögliche Besetzung suchen.

 

Das ist ungefähr so, als wolltest Du ein Auto kaufen:

  Mit Sicherheit überlegst Du vorher, ob es eine Familienkutsche, ein Zugfahrzeug oder ein Sportwagen sein soll.

Wenn Du Dich für ein Auto zum ziehen eines Anhängers entscheidest, überlegst Du Dir, welche Zuglast Dein PKW ziehen soll.

Hast Du die Modelle entsprechend selektiert, geht es an die Ausstattungswünsche.

Hast Du hier Deine Ziele definiert, geht es an Alter und Preisunterschiede.

So findest Du systematisch Dein optimales Auto.

 

Nichts anderes macht ein Arbeitgeber:

Er hat eine vakante Stelle.

Klare Aufgabenbeschreibung, schriftlich oder im Kopf. 

Definiert die nötigen Eigenschaften des künftigen Mitarbeiters.

Legt Gehalt und sonstige monetäre Leistungen fest.

Und beginnt zu überlegen, wer in Frage kommen könnte. Und beginnt zu suchen. Intern und extern.

An dieser Stelle solltest Du präsent sein. Es ist wichtig, dass Du Deine Stärken und insbesondere Dein Alleinstellungsmerkmal nennen kannst. Und dies aktiv zeigst. Im Bewerbungsanschreiben, im Gespräch, im Tun.

Hier helfen ganz einfach Dein USP und Dein elevator pitch. Diese Helferlein kannst Du in jeder Gelegenheit anwenden, die sich bietet. In Projektmeetings, Bewerbungsgesprächen, bei der Arbeitsagentur, im Biergarten.

 

Fazit: Man sieht sich immer zwei Mal. Dein USP platziert Dich in Deinem Umfeld im Hinterkopf. Sozusagen sprungbereit, wenn es sich anbietet.

Wie Du Dich gerade im fortgeschrittenem Arbeitnehmer-Alter mit Deinem Erfahrungswissen und Alleinstellungsmerkmal bestens verkaufen kannst, liest Du im nächsten Teil „Alt und kompetent(3) – hab Mut zur Lücke„.

 

 

Portrait2Worin bist Du einzigartig? Was macht Dich aus?

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