Alt und kompetent(1) – was bringt Dir Erfahrungswissen?

alt und kompetentDu denkst jetzt wahrscheinlich „Nichts! Wer jünger ist, ist doch leistungsfähiger und flexibler. Und oft viel besser ausgebildet.“

Das ist sicher auch richtig, es ist aber in beruflicher Hinsicht nur die halbe Wahrheit. Und das übersehen leider auch viele Arbeitgeber. Und vergeben damit ohne Grund viel Know-how.

 

Was bedeutet heute überhaupt „alt“?

Noch vor 50 Jahren war Mann oder Frau mit 35 schon älter und mit 50 einfach alt.

Die Leistungsfähigkeit nahm mit Mitte 35 rapide ab. Mit 50 reichte die Auffassungsgabe und Belastbarkeit für höherwertige Aufgaben kaum noch aus. Es zweifelte aber auch niemand daran, dass in diesem Alter schon die Rente um die Ecke winkte. Die Tatsache, dass der Arbeitgeber einem betagten Mitarbeiter nur noch einfachere Aufgaben übertrug, war aus damaliger Sicht nur konsequent.

Heute werden Menschen mit 35 Jahren noch als „jung“ bezeichnet. Anatomisch und biologisch zeigen sie in diesem Alter oft Werte, als wären sie gerade aus dem Studentenalter entsprungen.

 

Aber auch heute bleibt die Zeit nicht stehen.

Mit 40 beginnen die ersten Zipperlein.

Mit 45 spürst Du durchaus, körperlich und geistig, dass die erste Lebenshälfte nun vorbei ist.

Mit 50 zeigt der Körper schon deutliche Verschleißerscheinungen, auch wenn diese weit geringer sind als früher. Sport, gute Ernährung und geringere körperliche Beanspruchung machen es möglich.

Geistig sind 50-Jährige jedoch nach wie vor sehr leistungsfähig und können mit viel Erfahrungswissen und geübter Belastbarkeit punkten.

 

Alt und kompetent(1) – was bringt Dir Erfahrungswissen?

 

Was heißt eigentlich Erfahrungswissen?

Über Erfahrungswissen verfügst Du u.a. durch

  • Dein Fachwissen im ausgeübten Beruf,
  • Erfahrungen mit Kunden und im beruflichem Umfeld,
  • einen großen Wortschatz und rhetorische Kenntnisse,
  • die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen,
  • und komplexe Sachverhalte strukturiert zu analysieren.

Diese Fähigkeiten hast Du in jahrelangem, oft jahrzehntelangem, Training geübt. Sie sind so jederzeit abrufbar.

Übrigens gibt es aktuell reichlich Arbeitnehmer mit diesem Erfahrungswissen, denn nie gab es so viele 50-Jährige wie heute.

 

Aktualitätswissen schlägt Erfahrungswissen?

Junge Menschen verfügen nach der Ausbildung über viel Aktualitätswissen. Sie sind in wirtschaftlichen, finanziellen, ökologischen und ökonomischen Themen auf dem aktuellen Stand. Der selbstverständliche Umgang mit Software und Fremdsprachen runden ihr ausgeprägtes Kompetenzprofil ab.

Dieses Wissen können sie direkt in ihre Berufswelt einfließen lassen.

Auch die Herangehensweise an Aufgabenstellungen ist selbstbewußt und offen.

Junge Leute, die heute mit Anfang 20 in die Berufswelt kommen, sind zudem mit allem technischen know-how aufgewachsen. Allein durch das Internet ergeben sich so Herangehens-weisen an Fragestellungen, die den heute 50-Jährigen lange fremd waren und zum Teil noch sind.

Nur eines fehlt jüngeren Menschen: Erfahrung.

Erfahrungswerte, die ein Mitarbeiter 45+ in vielen Jahren gesammelt hat, sind z.B.:

  • Die Erfahrung, Fehler zu machen, zu korrigieren und eine Aufgabe neu anzugehen.
  • Erfahrung darin, Zusammenhänge, zu erkennen und zu bewerten.
  • Die Erfahrung, Probleme zu analysieren und zu lösen.
  • Und nicht zuletzt die Erfahrung, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen.

 

Bedeutet älter gleichzeitig auch leistungsgemindert?

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich jüngere Mitarbeiter länger und besser konzentrieren und schneller zwischen Aufgaben umschalten können. Sie gehen lockerer und selbstverständlicher mit neuen Themen und Kollegen um, sind offen und selbstbewusst.

Ältere Mitarbeiter verfügen dafür über ein wesentlich ausgeprägteres Sprachgefühl und einen größeren Wortschatz. Sie können Sachverhalte durch Erfahrung besser analysieren und schneller Lösungen entwickeln. Sie gehen dafür eher hierarchisch geprägt vor, was Zeit und Energie kostet. Unterm Strich steht hier gute Qualität vor Quantität.

 

Wie kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter in fortgeschrittenen Jahren unterstützen?

Verfügt auch der Arbeitgeber über Aktualitätswissen, wartet er nicht tatenlos ab, bis seine Mitarbeiter älter werden. Längst weiß man nämlich, dass mit frühzeitiger Beratung und Prophylaxe viel getan werden kann – für gelungene Integration und Leistungsfähigkeit:

  • Angepasste Ernährungsberatung
  • Sportangebote im Betrieb und arbeitgeberfinanziert auch in der Freizeit
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Regelmäßige Gesundheitschecks
  • Altersgerechte Gestaltung von Aufgaben und Arbeitszeit.

Viele Arbeitgeber bieten darüber hinaus Möglichkeiten für Bewegung und Spaß durch Billard, Tischfußball, Sportgeräte, Gesundheitskurse, etc. Aber auch Ruhemöglichkeiten zum abschalten und ausspannen.

Hat man noch vor einigen Jahren über die „alternativen“ Startups gelacht, die solche „Mitarbeiterbespaßung“ einführten, haben längst Großkonzerne nachgezogen.

Ergebnis: Ein hohes Maß an Mitarbeiterzufriedenheit, verringerte Krankenstände und erfolgreiche Integration älterer Arbeitnehmer.

 

Arbeitsplatzergonomie für ältere Mitarbeiter kostet Geld

So oder so ähnlich argumentieren viele Arbeitgeber. Die altersgerechte Ausstattung koste unnötig Geld und man müsste dafür jüngere Mitarbeiter benachteiligen.

Ist das wirklich so?

Was braucht ein älterer Mensch, z.B. bei Bürotätigkeit:

  • Einen guten Bürostuhl,
  • einen möglichst verstellbaren Schreibtisch,
  • Schränke mit erreichbaren Fächern,
  • möglichst wenig Anlass, sich zu bücken oder schwer zu heben,
  • gesundes Essen und Getränke, Sportangebote, Ruhebereiche.

Moment mal! Sind das nicht Anforderungen, die auch für jüngere Arbeitnehmer gelten sollten?

Ja! Und darüber hinaus können viele krankheitsbedingte Investitionen über Krankenkasse (z.B. spezieller Schreibtischstuhl) oder das Finanzamt zurückgeholt werden. Auch die KfW unterstützt Maßnahmen, die z.B. barrierefreies Arbeiten ermöglicht.

Das bedeutet etwas erhöhten administrativen Aufwand für den Arbeitgeber. Aber es bietet zugleich viele Chancen für erfolgreiche gemischte Teams und lange Betriebszugehörigkeit.

 

Wer will schon Mitarbeiter ab 45+ einstellen?

Das Rentenalter liegt inzwischen bei 67 Jahren. Und das trifft auch alle Arbeitnehmer, die heute 45+ sind. D.h., dass wir alle noch fleißig arbeiten werden, ab 45 aber eher geringe Chancen haben, einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden.

Und das, obwohl wir erwiesenermaßen Vorteile hinsichtlich Kompetenz und Qualität bieten.

Verkehrte Welt.

Hier muss unbedingt etwas seitens der Bundesregierung geändert werden. Sonst sehen wir die demographische Entwicklung nicht nur um uns herum, sondern auch in den Zahlen der Hartz 4-Empfänger. Und das kann nicht Ziel der Arbeitsmarktpolitik sein.

Zum Glück orientieren sich nicht alle Unternehmen mehr an Jugend und Dynamik allein.

Gerade die Automobilbauer zeigen sich beispielsweise sehr fortschrittlich und aufgeschlossen. Hier wird über die demographische Entwicklung nicht nur geredet, sondern mittels praktikabler Konzepte auch gehandelt.

Während andere Branchen sich immer noch mit faltenfreier Jugend schmücken und ihre Mitarbeiter ab 50+ in Altersteilzeit, Vorruhestand oder ins Sabbatical schicken, fördern und fordern die Autobauer ihre Kompetenzträger. Und die sitzen hier auch nicht nur in den Chefetagen, sondern gehen bis zur Poststelle.

Vorbildlich!

 

Fazit: Aktualitätswissen schlägt also keineswegs Erfahrungswissen

Auch ich habe es immer wieder erlebt: Die Mischung macht’s im beruflichen Alltag. Teams sind am produktivsten, wenn diese beschriebenen Stärken von Jung und Alt gemeinsam für ein Ziel eingesetzt werden.

Oft sind Mitarbeiter jahrelang im gleichen Unternehmen. Werden immer routinierter und souveräner. Das bedeutet aber auch, dass bei ihnen immer weniger Neues passiert. Und, dass sie eher mit weniger neuen und interessanten Aufgaben betraut werden. Das ist auch erstmal gar nicht so unangenehm, denn die persönliche Komfortzone will auch gepflegt sein.

Aber jeder wird älter. Man beginnt sich zurück zu nehmen, lässt anderen oft den Vortritt, obwohl man selbst gerne aktiver wäre, resigniert manchmal auch.

Und das merken Dritte oft viel besser, als wir selbst. Und so werden neue Aufgaben und Positionen trotz fehlender Erfahrung an jüngere Kollegen vergeben. Sie sind billiger und wirken einfach dynamischer.

Und das ist der Haken.

 

Das Erfahrungswissen bringt Dir mit zunehmendem Alter nur dann etwas, wenn Du es auch aktiv einsetzt.
So bringst Du Dich (wieder) ins Gespräch:
Zeige allen viel, von dem, was Du kannst.

Erzähle allen ein wenig, von dem, was du schon gemacht hast.

Und zeige allen alles, was Dich ausmacht, sozusagen Dein Alleinstellungsmerkmal.

 

Viele Tipps dazu habe ich in „Alt und ausgemustert – Mach’s wie Thomas A. Edison“ gegeben.

Was Dein USP, also Dein Alleinstellungsmerkmal, ist und wie Du auch als älterer Mitarbeiter ehrliches Marketing in eigener Sache betreibst, liest Du in Alt und kompetent(2) – finde Dein Alleinstellungsmerkmal.

 

Portrait2Wie setzt Du Dein Erfahrungswissen ein? Ich bin gespannt auf Deine Ideen.

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