Ach, hätte ich doch…vermeide diese 5 Fehler

Es gibt Tage, an denen man über Dinge nachdenkt, über die man sonst keinen Gedanken verliert. Weihnachten oder Geburtstag sind solche Gelegenheiten. Bei mir ist es oft im Stau so, dass mir plötzlich wichtige Momente einfallen. Oder Personen, die mich beeindruckt haben.

Gestern fiel mir Netti wieder ein. Eine kleine resolute Persönlichkeit mit Hirn und Herz.

Ihre Haut ist faltig, ganz zart, fast durchscheinend. Sie ist eine kleine dünne Frau und wirkt sehr filigran. Die Jahre sieht man ihr kaum an. Aber sie dürfte sicher schon Mitte 80 sein. Netti, heißt sie. Ist das eigentlich ihr ganzer Vorname oder eine Abkürzung? Ich frage nicht.

Ihr Reich besteht aus 10 qm plus einem kleinen, viel zu engen Bad. Schließlich muss nicht nur der Bewohner dieses Appartements rein passen, sondern meist auch ein Pfleger.

Sie erzählt gerne von früheren Zeiten. Ihre Familie war wohlhabend und sie fuhren sonntags noch tatsächlich mit einer Kutsche zur Kirche.

Ich kannVersäumnis es kaum glauben – mit einer Kutsche! Schwarz mit goldenen Beschlägen und roten Ledersitzen. Eingespannt waren zwei schwarze glänzende Pferde, deren Atem man in der winterlichen Kälte wie dicken Nebel sieht.

„Ich trug einen Muff aus echtem Pelz und auf der Kutsche eine dicke Felldecke.“ Ihre Augen glänzen, während sie das sagt.

Diese unbeschwerten Zeiten vermisst sie sehr. Sie ist früh ins Ausland gegangen und hatte bald keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden und Nachbarskindern. Damals fiel ihr das gar nicht so auf. Es gab soviel Neues zu erleben und zu lernen.

Aber dann kam der Krieg und ihre Freunde gab es bald nicht mehr oder waren in alle Welt verstreut. Das belastet sie sehr. Heute noch.

„Ach, hätte ich ihnen doch damals mehr geschrieben und den Kontakt gehalten.“

Sie streicht die schon glatte Spitzendecke noch glatter. Tiefe Schatten sind plötzlich unter ihren Augen. Es tut weh, sie so zu sehen.

„Ach, wäre ich nur rechtzeitig wieder nach Hause zurückgekommen.“

Sie stammt aus einer anderen Zeit. Aber die Gedanken ihrer letzten Tage sind zeitlos.

„Pass nur auf, dass Du nicht nur an die Arbeit denkst. Menschen sind wichtiger. „

Ich nicke. Weiß aber nicht so recht, etwas damit anzufangen.

Sie sieht mich an, setzt sich wacklig in den leicht verschlissenen Lesesessel und sagt:

„Weißt Du, in Deinem Alter wirft man gerne viel weg. Ein Buch, wenn es ausgelesen ist, ein Fahrrad, weil es nicht mehr modern ist, den Fernseher, wenn er einmal zuckt. Ist ja alles ersetzbar.

In meinem Alter fängst Du dann an, Dich zu fragen, wie Du jemals glauben konntest, dass alles ersetzbar sei. Deine Bekannten, Deine Familie ist nicht mehr da. Du besitzt stattdessen immer weniger Dinge, die Du noch brauchst. Und hast immer mehr Träume, die Du nicht mehr umsetzen kannst.“.

 

Ach, hätte ich doch…

Eigentlich sollte es ein Praktikum in einer Marketingagentur werden. Aber mein Lehrer hatte wohl keine Lust mehr, mir etwas zu suchen. Und so blieb nur der Restposten – 3 Wochen Pflegeheim. Das war eine harte Zeit. Fremd, bitter, schön, lehrreich, traurig. Und total spannend.

Weißt Du, wie interessant und spannend alte Leute sein können? Jeder hat schon ein ganzes Leben hinter sich. Mit Auf’s und Ab’s, Träumen, Ängsten, guten und weniger prickelnden Entscheidungen.

Und jeder hat etwas, was er im Nachhinein gerne besser machen würde.

Komisch, dass es fast immer die gleichen Themen betrifft. Und irgendwie nie Geld. Das hätte ich als erstes erwartet. So nach dem Motto: „Hätte ich nur studiert, dann hätte ich richtig Geld verdient“.

Nein, es geht eigentlich immer um Nicht-Materielles.

Das ist es anscheinend, was wirklich zählt.

Wir sollten uns schon heute damit beschäftigen, um die gleichen Fehler nicht immer wieder zu machen. Im Arbeitsleben. Aber nicht nur…

 

Ach, hätte ich doch mit Familie und Freunden mehr Kontakt gehalten

Mit 19 bei der Abifeier…

…schworen wir uns alle, miteinander in Kontakt zu bleiben. Egal, wohin es uns verschlägt.

Kaum hatte jeder seine Ausbildung oder sein Studium begonnen, flossen die Emails und Telefonate schon spärlicher. Und hörten bald auf. Berlin, Paris, USA, Portugal waren wohl zu weit entfernt für Freundschaften.

Kennst Du das auch, dass Du so in Deinem Leben eingespannt bist (oder es glaubst, zu sein), dass Du nicht mal einen Anruf oder eine Email hinbekommst? „Das mache ich morgen.“, „Dazu hab ich erst am Wochenende Zeit.“ Oder „So toll war unsere Freundschaft auch nicht, warum soll ich mich da jetzt noch abhetzen.“, „Er/sie hätte sich ja auch mal melden können.“

Und wie lange brauchst Du für eine E-Mail oder einen kurzen Anruf?

 

Ach, hätte ich doch nicht immer so viel gearbeitet und mehr gelebt

Mit 19 bei der Abifeier…

…prophezeiten wir uns gegenseitig, dass wir nicht so malochen wollten wie die Eltern. Den ganzen Tag arbeiten, was hat man dann vom Leben? Ja, wir machen es anders!

Heute. Wichtige Termine. Morgens früh raus. Stau. Meetings. Mittagessen ade. 4 Uhr nachmittags, jetzt wird es ruhiger. Endlich mal richtig arbeiten. 19.00 Uhr. Dunkel. Jetzt nach Hause. Müde. Kaputt.

Wie lange ist die Halbwertzeit von guten Vorsätzen?

 

Ach, hätte ich doch nur einfach mein Ding gemacht

Mit 19 bei der Abifeier…

…haben wir uns alle in glühendsten Farben ausgemalt, was wir mal werden. Tierarzt, Physiker, Mathematikprofessor, Landwirt, Politiker, … Jeder wollte seine Stärken voll investieren und tun, was ihn glücklich macht.

Ich wollte Tierärztin werden. Gut, das mit dem Blut war nicht so meins. Geworden ist es dann das Büro. Warum? Weil es einfach vor der Tür war. Und sicher. Und ganz gut bezahlt.

„Da kannst Du immer schöne Kleider tragen“, wie meine Mutter sagte. Na, das ist auch mal ein Grund…

Was wolltest Du eigentlich mal wirklich machen?

 

Ach, hätte ich doch das gesagt, was ich gefühlt habe

Mit 19 bei der Abifeier…

….träumten wir von lebenslangen Freundschaften, Glück und viel Zweisamkeit. Was wollten wir doch so offen sein mit den Anderen und dem Leben. Da war Peter, der schon ewig in Tina verguckt war – aber sich nie traute, etwas zu sagen. Oder unser Lateinlehrer, der die Direktorin vergötterte,  aber nichts sagte. Oder die Kollegin während meiner Ausbildung, die Angst vor ihrer Arbeit hatte. Und kein Wort darüber sagte, sondern lieber jeden Tag ihre schlechte Laune an den Kunden ausließ.

Wie gut tut es doch, einfach seinen Schweinehund am Ohr zu packen und auszusprechen, was man so gerne sagen möchte.

Dir ist jetzt garantiert jemand eingefallen, dem Du schon immer etwas Wichtiges sagen wolltest!?

 

Ach, hätte ich doch meine Zeit besser genutzt

Mit 19 bei der Abifeier…

…dachten wir, unser Lateinlehrer sei mit 55 Jahren so alt wie Methusalem.  Das war für uns einfach steinalt. Zwischen uns und diesem Alter lagen mindestens 10 Weltreisen, 3 Kinder, 2 Häuser und unzählige Autos.

Aber man musste es ja nicht gleich überstürzen. Morgen ist auch noch ein Tag. Wir hatten doch so viel Zeit!

Naja, die erste Weltreise können wir auch in den Flitterwochen machen. Aber erst nach dem Studium. Oder, wenn die Kinder da sind. Oder, doch besser, wenn sie groß sind? Oder…

Kennst Du auch die Aufschieberitis? Was vertagst Du hartnäckig in Deinem Leben?

 

Fazit:

Du hast es in der Hand. Setz Deine Prioritäten neu. Heute ist der beste Zeitpunkt dafür.

 

Portrait2Was hat Dich am meisten berührt?

E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Betreff

Nachricht

It\'s only fair to share...Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePrint this page